Schulbau und Kindergartenbau: Von Raumnot zu Raumqualität

Als Schulerhalter reiben Sie sich beim Bau von Schulen und Kindergärten oft zwischen Budgetgrenze, Bauordnung und pädagogischem Wandel auf. Bildungsbau heißt heute meistens: umbauen, was oft seit Jahrzehnten nicht mehr passt.


Planer entwarfen Pflichtschulen meist für Frontalunterricht – mit langen Gängen, schmalen Klassenzimmern und ohne Anforderungen an Ganztagsbetrieb oder Barrierefreiheit. Heute brauchen Lehrer und Schüler Räume für Lernlandschaften, Rückzugszonen, Betreuung, Nachmittagsangebote und Essensausgabe.


Gleichzeitig steigen die Schülerzahlen und die technischen Anforderungen nehmen zu: Schallschutz, Lüftung, digitale Infrastruktur. Häufig fehlen Ihnen nicht nur die Flächen – sondern auch der politische Konsens oder die Ressourcen, um all das in einem Bauprojekt abzubilden.

Unser Aufgabe als ArchitektInnen ist es, genau solche Prozesse zu begleiten. In Wieselburg entwickelten wir für die Fachhochschule etwa eine neue innere Struktur – eng abgestimmt mit Gemeinde, NutzerInnen und Förderstellen.


Für die steirische Landesregierung haben wir im Vorfeld mehrerer Schulumbauten Machbarkeitsstudien erstellt: Welche Raumreserven gibt es? Wo macht ein Umbau überhaupt Sinn? Was ist genehmigungsfähig – was wirtschaftlich darstellbar? Wir analysieren dabei Bestand, Tageslicht, Wegeführung, Akustik und Erschließung. Darauf aufbauend entwickeln wir Lösungen, die auf der Baustelle halten, was sie am Plan versprechen: Lernzonen statt Gangflächen, flexible Lern-Marktplätze statt Pausenlärm auf den Fluchtwegen – und Freiräume, die mehr sind als nur Asphalt rund um das Gebäude. So schaffen Sie eine zeitgemäße Wohlfühl-Schule für Lernen im 21. Jahrhundert.

Case Study: Volksschule Friedberg (Stmk)

Ausgangssituation

Die Gemeinde Friedberg nutzte ein Gebäude aus dem Jahr 1891 als Volksschule – ursprünglich als Armenhaus errichtet, über Jahrzehnte hinweg angepasst, aber nie grundlegend neu gedacht. Für einen zeitgemäßen Schulbetrieb war das Gebäude längst an seine Grenzen gestoßen. Drei Trakte in U-Form, keine barrierefreie Erschließung, überlastete Gänge, die gleichzeitig als Pausenflächen, Garderoben und Fluchtwege dienten. Die technische Ausstattung war ebenso veraltet wie die räumliche Organisation.
Die Schule brauchte dringend mehr Platz, bessere Abläufe sowie moderne Lernzonen – aber ohne den Standort aufzugeben. Die Schule liegt nämlich mitten im Ort und bedeutet für die Gemeinde ein Stück Identität. Ein Abriss kam deshalb nicht infrage. Umso wichtiger war ein Konzept, das Bestehendes integriert und funktional neu denkt.


Was haben wir gemacht

Wir haben gemeinsam mit der Gemeinde ein Konzept entwickelt, das den historischen Bestand erhält, aber funktional völlig neu strukturiert. Statt eines Totalumbaus konzentrierten wir uns auf gezielte Eingriffe: Ein neuer, hofseitiger Zubau übernimmt heute die Erschließung – mit Lift, zentraler Garderobe, Stiegenhaus und klarer Wegeführung über drei Geschoße. Im Erdgeschoss entstand eine Aula mit mobilen Trennwänden, darüber ein Marktplatz als neue Mitte für Lernen und Aufenthalt. Die Freiluftklasse auf der Westseite schafft zusätzlich eine nutzbare Fläche im Außenraum. Der Zugang erfolgt nun hofseitig – weg von der Straße, hin zu einer ruhigen, offenen Eingangssituation. Auch Elektro, Akustik und Sanitär haben wir behutsam und im Einklang mit der vorhandenen Bausubstanz erneuert sowie eine völlig neue Belüftungsanlage installiert.

Das Ergebnis
  • 7 Klassen + 1 Erweiterungsklasse für rund 120 SchülerInnen
  • Barrierefreie Erschließung über drei Ebenen
  • Aula, Marktplatz & Freiluftklasse als neue Lernzonen
  • Funktionale Trennung von Garderobe, Pausenraum und Fluchtweg
  • Erhalt der historischen Bausubstanz, punktuelle Eingriffe im Bestand
  • Politisch sichtbarer Mehrwert im Ortskern – ohne Ersatzneubau

Die Schule blieb am vertrauten Ort – mitten im Ortskern, wo sie hingehört. Für die Gemeinde, die Lehrkräfte und die Kinder ist sie jetzt neu nutzbar: bereit für eine zeitgemäße Pädagogik.

AUFTRAGGEBER: Stadtgemeinde Friedberg/Stmk
STANDORT: Friedberg
GRUNDSTÜCK: 1686m²
 bebaute Fläche: ca 660m²