Volksschule Patrizigasse 2

PROJEKTINFOS

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Städtebauliche Einbindung / Konzept

Der Entwurf positioniert sich als selbstbewusster, integrierter Baukörper im städtischen Kontext. Durch die abtreppende Bauweise entsteht eine maßstäbliche Vermittlung zwischen Straßenraum, Nachbarbebauung und den Freiflächen. Das Gebäude öffnet sich zu den öffentlichen Räumen und schafft gleichzeitig gut nutzbare Dachlandschaften.

In der Nordwestecke des Grundstücks, wo die größte bauliche Dichte zulässig ist, bildet der Turnsaal auf dem Dach den markanten Abschluss und zugleich ein identitätsstiftendes Symbol, die Krone der Schule und ein Eyecatcher für das Quartier.

Die Abtreppung in Richtung Süden, hin zum Kindergarten der Bafep21, generiert einen gemeinsamen Grünraum für beide Schulen, der als grüne Lunge das Mikroklima positiv beeinflusst.
Intensive Dach- und Fassadenbegrünung tragen zusätzlich zu einem angenehmen Stadtklima bei. Der Entwurf reagiert sowohl auf die Maßstäblichkeit der angrenzenden Wohnbebauung als auch auf die Bildungsbauten der Bafep21.


Statisches System

Das Tragwerk folgt einem klaren, robusten und zugleich flexiblen Konzept.
Die Konstruktion ist als Stahlbeton-Skelettbau aus Recyclingbeton ausgeführt. Dieses System gewährleistet eine hohe Tragfähigkeit, Erdbebensicherheit und Dauerhaftigkeit bei gleichzeitig reduziertem Materialeinsatz. Die lastabtragende Skelettstruktur ermöglicht große Spannweiten und eine hohe Grundrissflexibilität. Bildungscluster und Gemeinschaftsbereiche können ohne tragende Innenwände organisiert werden. Die nichttragenden Außen- und Innenwände in Holzleichtbauweise sind einfach austauschbar und anpassbar, wodurch langfristige Nutzungsänderungen ohne Eingriffe in die Tragstruktur möglich sind.
Die Stahlbetonkerne, u.a. im Bereich der Lifte, übernehmen die Aussteifung des Gebäudes und leiten Wind- und Horizontallasten sicher in die Fundamente ab. Damit entsteht ein dauerhaftes, anpassungsfähiges und kreislauffähiges Tragwerk, das architektonische Offenheit unterstützt und den gesamten Lebenszyklus des Gebäudes berücksichtigt.

Beispielhaftes statisches System, Decke über 1. OG

Zentrale Erschließung / Marktfläche

Die zentrale Erschließung verbindet alle Cluster miteinander und wird als großzügige Kommunikations- und Bewegungszone ausgebildet. Sie ist sowohl funktionaler Verteiler als auch lebendige Mitte der Schule, in der Essbereiche, Aufenthaltszonen und Begegnungsflächen liegen.

Im Erdgeschoss wird die Zone von Haupt- und Nebeneingang erschlossen und öffnet sich in den Pausen direkt zum Pausenhof und zur Natur. In den oberen Geschossen führt sie ebenso selbstverständlich auf die begrünten Dachlandschaften und Sportflächen. So entsteht eine Abfolge von Innen- und Außenräumen, die Lernen, Bewegung und Naturerfahrung nahtlos miteinander verbindet.
Die Erschließung ist damit weit mehr als eine Stiege: Sie wird zu einer inneren Straße der Schule, die Begegnung, Austausch und Bewegung ermöglicht und die pädagogische Idee einer offenen, vernetzten Lernlandschaft sichtbar macht.

Dachflächen als Sport- und Naturraum

Die abgetreppte Typologie des Gebäudes ermöglicht es, die Dachflächen als gestufte Landschaft zu nutzen. Jede Ebene bietet eigene Qualitäten und schafft einen fließenden Übergang zwischen Architektur, Freiraum und Pädagogik.
Ein Teil der Dachlandschaft ist als Ballsportfläche ausgebildet. Diese bietet den Schüler*innen zusätzliche Bewegungsmöglichkeiten direkt am Gebäude und erweitert die Sportflächen im Freien. Durch die Nähe zu den Clustern sind kurze Wege und eine flexible Nutzung in Pausen wie im Unterricht möglich.

Andere Dachbereiche werden als intensiv begrünte Natur- und Lernräume gestaltet. Auf den terrassierten Ebenen entstehen Freiluftklassen, Schulgärten und Rückzugszonen, die den Unterricht ins Freie verlagern und praktische Naturerfahrung fördern. Kinder können Pflanzen pflegen, ökologische Kreisläufe beobachten und an gärtnerischen Projekten teilnehmen.
Die Kombination aus Sport- und Naturflächen in Verbindung mit der abgetreppten Gebäudetypologie eröffnet besondere pädagogische

Mehrwerte:

gestufte Dachlandschaft als identitätsstiftendes Raumerlebnis. So wird das Dach zum zentralen pädagogischen Freiraum: eine abwechslungsreiche, gut nutzbare und grüne Dachlandschaft, die Bewegung, Naturerfahrung und Lernen miteinander verbindet.

Bewegung, Spiel und Sport direkt auf dem Dach forschendes Lernen und ökologische Bildung in den Freiluftklassen altersgerechte Rückzugsorte und differenzierte Freiraumangebote

Energiekonzept

Das Haustechnikkonzept setzt auf eine Low-Tech-Strategie mit High-Performance-Komponenten, um einen robusten, energieeffizienten und wartungsarmen Betrieb sicherzustellen. Die Be- und Entlüftung erfolgt kontrolliert mit Wärmerückgewinnung. Dezentrale Systeme in Kombination mit natürlicher Fensterlüftung ermöglichen eine flexible Anpassung an unterschiedliche Nutzungssituationen und tragen zur Verbesserung der Raumluftqualität bei.
Die Heizung und Kühlung durch über ein effizientes System aus Betonkernaktivierung gewährleistet. Ergänzend wird Geothermie über Erdsonden eingebunden, die erneuerbare Energie für die Grundlastdeckung liefern und damit die Energieversorgung besonders nachhaltig machen. So entsteht ein gleichmäßiges Raumklima, wobei die Gebäudemasse aktiv als thermischer Speicher genutzt wird.
Verschattung und Nachtauskühlung sorgen zusätzlich für sommerlichen Komfort ohne Klimaanlagen.
Die Energieversorgung basiert auf erneuerbaren Quellen: Eine Photovoltaikanlage am Dach liefert Strom, während die Haustechnik mit einem hohen Grad an Wärmerückgewinnung arbeitet. Abwärme aus Küche und Technikbereichen wird in das System rückgeführt. Das Gesamtkonzept verbindet hohe Energieeffizienz, Nutzerkomfort und Kreislauffähigkeit – und leistet damit einen Beitrag zu den Klimazielen der Stadt Wien.

Kreislaufwirtschaft

Das Projekt setzt ein klares Zeichen für zirkuläres Bauen. Die Tragstruktur wird als Stahlbeton-Skelettbau aus Recyclingbeton ausgeführt, ergänzt durch Außen- und Innenwände in Holzleichtbauweise. Damit werden Primärrohstoffe geschont und erneuerbare Materialien eingesetzt.

Von Anfang an steht die Rückbaufreundlichkeit im Fokus:

  • Lösbare Verbindungen ermöglichen eine zerstörungsarme Demontage.
  • Sortenreine, langlebige Materialien sichern Reparierbarkeit und Wiederverwendung.
  • Verzicht auf problematische Verbundstoffe erleichtert das Recycling.

So entsteht ein flexibles und anpassungsfähiges Gebäude, das sich während seiner Lebensdauer veränderten Bedürfnissen ohne tiefgreifende Eingriffe anpassen kann. Am Ende des Nutzungszyklus lassen sich Bauteile gezielt wieder verwenden oder hochwertigen Recyclingprozessen zuführen.
Die Schule wird damit selbst zum Rohstofflager der Zukunft, ein Beitrag zur Ressourcenschonung, zur Reduktion von CO² und zu einer nachhaltigen, kreislauffähigen Bauweise.

Intensive Dachbegrünung

Die Dachflächen werden als intensiv begrünte Freiräume ausgebildet und zu einem pädagogischen Natur- und Lebensraum weiterentwickelt. Neben der ökologischen Funktion – Verbesserung des Mikroklimas, Speicherung von Regenwasser und Förderung der Biodiversität – entsteht ein Mehrwert für den Schulalltag. Die intensive Begrünung schafft Freiluftklassen, Schulgärten und Naturerlebnisräume direkt am Gebäude. Kinder können Pflanzen pflegen, Naturmaterialien erleben und saisonale Veränderungen beobachten. So wird das Dach zu einem Lern- und Begegnungsort, der
die Bewusstseinsbildung für Natur, Klimawandel und nachhaltiges Handeln stärkt.
Durch die Kombination mit Animal-Aided Design (z. B. Nisthilfen, Insektenhotels) wird die ökologische Vielfalt gezielt gefördert. Gleichzeitig bietet die Dachbegrünung zusätzliche Flächen für Spiel, Bewegung und Rückzug.
Technisch leistet das begrünte Dach einen wesentlichen Beitrag zur Reduktion sommerlicher Überhitzung, erhöht die Lebensdauer der Dachabdichtung und verbessert das Mikroklima des Quartiers. Damit wird die Dachlandschaft zu einem grünen Klassenzimmer und Erholungsraum, der ökologische, pädagogische und klimatische Vorteile vereint.